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Neologismen par excellence

Nach einer etwas längeren Pause finde ich nun endlich einmal wieder die Zeit, ein bisschen über mein Leben im gefühlt kältesten Land der Welt zu schreiben (auch Ende April - die Bäume haben noch immer keine Blätter - werde ich nicht müde, mich über das Wetter zu beschweren).


Die letzten Wochen waren ziemlich intensiv, aber zur Abwechslung auch endlich einmal wieder so ziemlich EFD-mäßig* (voila, der titelgebende Neologismus par exellence). Nach einer durchaus anstrengenden Woche in Deutschland war ich auch hier in Lettland ziemlich eingespannt. Am Montagmorgen machte ich mich zusammen mit zwei Kolleginnen auf nach Liepāja, um dort ihr Projekt, die Küstenlinie in der gsamten Region Kurzeme mit einheitlichen Markierungen für Wanderer zu versehen, fortzuführen. Bewaffnet mit Pinsel und Farbe malten wir also Bäume und Brücken, Straßenschilder und Zaune an, bevor wir dann am Abend noch die Kollegen aus Estland trafen (die das Projekt an der estischen Küste fortführen). Am Dienstag organisierten dann meine Kolleginnen eine Konferenz über nachhaltigen Tourismus in einem Hotel (in dem wir auch schliefen, und ich war komplett vom Luxus überrascht, denn man hatte mir mal wieder kaum etwas über den bevorstehenden Ausflag erzählt) in Liepāja und ich verbrachte den Tag mit etwas Arbeit für das TourismusOffice (Übersetzungen etc.) und dann mit einer anderen Freiwilligen am Strand. Ehrlich gesagt beneide ich die Freiwilligen sehr, die in Liepāja leben; die Stadt ist wirklich schön und direkt am Meer.


Am Dienstagabend entschied sich dann spontan, dass ich am Mittwoch wieder meine Kolleginnen zu ihrer Konferenz begleiten sollte - dieses Mal allerdings in Roja, ebenfalls am Meer. Da ich sowieso nicht viel von der Konferenz verstanden hätte, hatte ich den Vormittag frei und machte einen ausgedehnten Strandspaziergang entlang der Strandpromenade, die mir noch sehr neu und unbenutzt erschien. Am Nachmittag begleitete ich dann die Teilnehmer der Konferenz bei ihrem Spaziergang durch die Stadt, an dessen Ende die neuste Errungenschaft der Stadt feierlich mit viel Alkohol und Fischbrötchen eröffnet wurde: die (für mich nicht ganz so) neue Strandpromenade - der Stolz der Stadt. Am Donnerstag arbeitete ich dann normal im TourismusOffice in Tukums und versuchte, irgendwie die Arbeit, die in den Tagen zuvor liegengeblieben war, zu bewältigen, bevor ich am Abend zusammen mit meinem Freund in Riga zum ersten Mal bei einem Eishockeyspiel war. In zwei Wochen finden die Eishockeyweltmeisterschaften in Dänemark statt und darauf bereitet sich das lettische Nationalteam gegen die Schweizer Mannschaft in Testspielen vor (und verlor merhmals ... ).


Aber die Woche sollte noch nicht beendet sein. Freitagmittag machten meine Kollegin und ich uns wieder einmal auf. Dieses Mal in das 200 km entfernte Preiļi (ich habe einmal gelernt 200km = 2h mit dem Auto, nicht aber auf lettischen Straßen; wir haben für diese Strecke fast 5h benötigt) unweit der russichen Grenze, wo wir am Samstagmorgen (Arbeitsbeginn um 6 Uhr) an einer Tourismusbörse teilnahmen. Allerdings ist Preiļi noch kleiner als Tukums (nur 5000 Einwohner), sodass wir die 35 Kisten mit Material wieder mit nach Hause nehmen mussten. Aber immerhin hatte die Stadtverwaltung für etwas Rahmenprogramm gesorgt. Nach einer Stadtführung und einem kurzen Konzert in einer Kirche gab es einen Empfang mit wirklich gutem Essen im Rathaus, nach dem wir uns nach einem langen Tag müde aber immerhin satt endlich wieder auf den Weg nach Tukums machten.



In den acht Monaten, die ich nun schon in Lettland lebe, war ich nun zum ersten Mal der russischen Grenze so nah. Und das war durchaus spürbar. Endlich wollte ich mit meinen Lettischkenntnissen glänzen und plötzlich konnte mich keiner mehr verstehen. Und wenn ich Englisch sprach, wurde ich nur schräg angeguckt.


Und mit diesen Eindrücken endete diese anstrengende aber eben dennoch sehr EFD-mäßige* Woche. Nach langer Zeit hatte ich endlich einmal wieder das Gefühl, zufrieden zu sein mit dem, was ich mache. Und damit kann ich mich jetzt in den wohlverdienten Urlaub verabschieden.


*EFD-mäßig - dt. Adjektiv frei nach Sarah, beschreibt die Lebenssituation eines EFD-Freiwilligen: viel zu tun, viele Reisen, viel Unvorhersehbares, große Sprachbarrieren

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